Bedeutung in der Schwangerschaft:

Er entsteht in der 9.-12. Schwangerschaftswoche und sollte bis zur 40. Schwangerschaftswoche voll entwickelt sein. Im Mutterleib dient er als Überlebensreflex, er trainiert die Atemmuskulatur und verhindert bei jeglicher Lageveränderung z.B. das Umschlingen der Nabelschnur.

Bedeutung während der Geburt:

Durch jede einzelne Wehe der Mutter wird ein Druck auf den Brustkorb des Kindes ausgeübt. Nur somit kann schrittweise die Flüssigkeit aus den Lungen gepresst werden. Dies widerum führt dazu, dass es zu einer verminderten Sauerstoffversorgung kommt und somit das "Atemzentrum" im Gehirn aktiviert wird. Dieser Reflex ermöglicht während der Geburt den alleresten Atemzug.

Bedeutung 2.- 4. Lebensmonat nach der Geburt, dann sollte er gehemmt werden:

Er ist eine unwillkürliche Reaktion auf jegliche Art von Bedrohung. Der Moro - Reflex kann über das vestibuläre System (Gleichgewichtsorgan, Änderung der Kopfhaltung), das auditive System (Geräusche), das taktile System (Berührungsempfinden, Schmerz/Temperatur) und das visuelle System (plötzlicher Lichtwechsel) ausgelöst werden. Da das Baby aber noch nicht in der Lage ist, Sinneseindrücke von außen genau zu analysieren, kommt es immer zu einer vom Hirnstamm auslösbaren Mororeaktion. Er ist die früheste Form der Kampf- und Fluchtreaktion und kann in extremen Situationen auch noch im späteren Leben ausgelöst werden. Generell sollte er aber im Alter von 2-4 Monaten gehemmt werden.

Körperliche Reaktionen auf den Moro - Reflex

  1. Unmittelbare Erregung

  2. Schnelles Einatmen, kurzes "Erstarren" oder "Aufschrecken", gefolgt von Ausatmen- oft durch einen Schrei begleitet.

  3. Kampf- und Flucktreaktion wird ausgelöst, was folgendes zur Folge hat: Freisetzung der Stresshormone Adrenalin und Cortsiol, Anstieg der Atemfrequenz, Beschleunigung des Herzschlages, Anstieg des Blutdruckes, Rötung der Haut

  4. Eventuell Gefühlsausbrüche, z.B. Wut oder Tränen

Auswirkungen von Restreaktionen des Moro-Reflexes

  1. Probleme, welche mit dem Gleichgewicht zu tun haben z.B. Reiseübelkeit, schlechte Balance und Koordination, was sich vor allem bei Ballspielen zeigen kann.
  2. Körperliche Furchtsamkeit.
  3. Probleme in der visullen Wahrnehmung, z.B. sog. Stimulusgebundenheit ( irrelevante visuelle Informationen innerhalb eines bestimmten visuellen Feldes können vom Kind nicht ignoriert werden).
  4. Mangelhafte Reaktion der Pupillen auf Licht, sog. Lichtempfindlichkeit, das Kind ermüdet leicht bei Neonlicht.
  5. Mögliche auditive Verwirrung, bedingt durch Überempfindlichkeit für bestimmte Geräusche. Es kann zu auditiven Diskriminierungsproblemen kommen, d.h. das Kind ist nur schlecht in der Lage, akustische Reize auseinander zu halten oder voneinander zu unterscheiden. Das Ausschalten von Hintergrundgeräuschen kann schwer fallen.
  6. Allergien und Immunschwächen z.B. Asthma, Ekzeme) oder eine Krankengeschichte häufiger Infektionen im Hals-, Nasen-, Ohrenbereich.
  7. Ungünstige Reaktionen auf Medikamente.
  8. Schlechtes Durchhaltevermögen, mangelnde Ausdauer.
  9. Abneigung gegen jegliche Veränderungen oder Überraschungen - schlechte Anpassungsfähigkeit.
  10. Überschießende Reaktionen auf Reize z.B. Stimmungsschwankungen, emotionale "Labilität", Fester Muskeltonus, Schwierigkeiten Kritik zu akzeptieren.
  11. Phasen von Hyperaktivität, gefolgt von übermäßiger Ermüdung.